Hansestadt Kallenhardt

In der Zeitschrift SAUERLAND NR. 3/2008, Seite 119, des Sauerländer Heimatbundes beschrieb 2008 der Verfasser, Horst Brauckmann, die unterschiedlichen Handelsstraßen von Soest nach Korbach. Die beiden Städte pflegten schon im 12. Jahrhundert eine Handelsbeziehung, erhielt doch Korbach im Jahre 1189 Soester Stadtrecht und gehörte seither zur Soester Stadtrechtsfamilie.

Hinweis:
Die vollständige Fassung von „Der Hanseweg von Soest nach Brilon“ ist als Broschüre für 4 Euro beim

Briloner Heimatbund Semper Idem
Helmut Mengeringhausen
Tel. 0 29 61 / 42 12

helmut.mengeringhausen@-online.de

erhältlich.
Genehmigung des Verfassers „Der Hanseweg von Soest nach Brilon“ liegt vor.

1. Vorbemerkung
Aufgrund einer Idee des Briloner Heimatbundes Semper Idem fand im Jahre 2007 eine Hansewanderung von Soest über Rüthen, Kallenhardt und Brilon nach Korbach statt. Korbach war bewusst als Ziel ausgesucht worden, weil im Oktober 2007 dort der Westfälische Hansetag stattfand. Die Wanderung wurde in sechs Etappen durchgeführt. Die Wegestrecke sollte möglichst entlang des historischen Hanseweges gehen. Dazu wurde von den Heimatvereinen von Soest bis Korbach versucht, den historischen Verlauf des Hanseweges wieder aufzuspüren. Der Verfasser dieser Abhandlung fasst im Folgenden diese Bemühungen zusammen und beschränkt sich dann in seinen weiteren Ausführungen auf die nachweisbaren mittelalterlichen Handelswege zwischen Soest und Brilon. Die erste Frage ist natürlich, gab es überhaupt einen Hanseweg zwischen Soest und Korbach bzw. Brilon. Dazu ist ganz einfach festzustellen, dass sowohl Soest wie auch Rüthen, Kallenhardt, Brilon und Korbach Hansestädte waren und die diese Städte verbindenden Wege deshalb mit Recht auch als Hansewege bezeichnet werden können. Wie Stephan Dusil in seiner Abhandlung „Die Soester Stadtrechtsfamilie“1 im Jahre 2007 noch einmal bestätigen konnte, gehört Korbach zur Soester Stadtrechtsfamilie und erhielt im Jahre 1189 Soester Stadtrecht. Dass zwischen Soest und Korbach enge Verbindungen bestanden, belegen z. B. zwei Urkunden aus dem 14. Jahrhundert. 1309 erfolgt eine Rechtsberatung der Stadt Soest für die Stadt Korbach, 1366 reisen sogar die Korbacher Bürgermeister wegen Rechtshilfe durch die Stadt Soest nach Soest. In der Vorbereitung der Hansewanderung 2007 konnte eine Karte aus dem Jahre 1579 wiederentdeckt werden, die die historische Handelsstraße von Korbach über Brilon nach Soest darstellt. Sie stammt aus dem Straßenkartenatlas „Itinerarium Orbis Christiani“ aus dem Jahre 1579/ 80 (siehe anliegende Kopie aus der Staatsbibliothek Berlin). Bereits der hessische Straßenforscher Herbert Krüger2 hatte 1963 auf diesen alten Straßenatlas hingewiesen. Durch diese alte Karte von 1579 konnte der historische Hanseweg von Brilon nach Korbach auch zur Überraschung der Waldecker Heimatfreunde genau bestimmt werden. Er verlief von Brilon über Hoppecke, Bontkirchen, Stormbruch, Ottlar, Dreisfeld, Schweinsbühl, Rhena und Lelbach nach Korbach. Dies wird auch die Strecke gewesen sein, die im Jahre 1366 die Korbacher Bürgermeister nach Soest nahmen. Kommen wir zurück auf die Hansestädte. Soest war eine der vier Hansevororte in Westfalen (Soest, Dortmund, Münster, Osnabrück), die Stimmrecht auf dem Hansetag in Lübeck hatten. Zum Hansequartier Soest gehörten die Beistädte Lippstadt, Werl, Arnsberg, Attendorn, Brilon, Rüthen und Geseke. Die Beistädte hatten als weitere Untergliederung in der Hansehierarchie noch sogenannte „zugewandte Orte“. So hatte Rüthen die Städte Belecke, Warstein und Kallenhardt als zugewandte Orte.

 

2. Hansewanderer 20074. Hansewanderer 2007
3. Hansewanderer 20075. Hansewanderer 2007

 

 

Die Stadt Soest veranstaltete seit 1469 in unregelmäßigen Abständen bis zum Ende der Hansezeit nach dem dreißigjährigen Krieg Hansische Regionaltage mit ihren Beistädten, die auch als „Westfälische Hansetage“ bezeichnet wurden typische Handelsprodukte der Stadt Rüthen waren Ketten und Messer auf Grund eigenen Eisenbergbaues sowie Leinen, Wollwaren, Leder und Felle. Berühmt war auch der Rüthener Sandstein, der sogar in Lippstadt verschifft wurde. Brilon hatte einerseits eine Textilindustrie mit vielerlei Produkten. Andererseits waren die Produkte der Montanindustrie (Blei und Eisenerze) die bedeutenderen für das Briloner Umland. Sie gehen auch weit zurück vor der Hansezeit bis zur Römerzeit und neuere Forschungen und archäologische Funde belegen, dass seit fast 2000 Jahren Handelsbeziehungen zwischen Soest und der Briloner Hochfläche bestehen Urkundlich sind Handelsbeziehungen zwischen Soest und Brilon seit 1255 belegt. Umso interessanter ist es, herauszufinden, wo der Hanseweg von Soest nach Brilon verlief.

2. Der Hanseweg von Soest nach Brilon
Versucht man, Literatur, Urkunden und alte Karten zur Bestimmung des Verlaufs des Hanseweges von Soest nach Brilon zu finden, so stößt man als erstes auf das umfangreiche Werk über die „Hansischen Handelsstraßen“ von Bruns/Weczerka7. Dort heißt es unter Nr. 51 Soest-Brilon-Korbach auf Seite 447, dass dieser Weg von Soest über das Dorf Elfsen führte, die Soester Land wehr bei der „Rüder“ (Rüthener) Warte bei Beusingsen passierte und dann von Brüllingsen auf der Haar über Wald hausen, Uelde und Altenrüthen bis Rüthen verlief. Von dort stieg er hinunter
ins Möhnetal und folgte ihm aufwärts bis zur kleinen Hansestadt Brilon. In Soest verließ die mittelalterliche Straße Soest-Brilon zusammen mit dem Hellweg das Thomätor und bog dann sofort Richtung Südosten ab, verlief in etwa über die alte Bahnstrecke Soest - Brilon und weiter über den jetzigen Rad weg im Gewerbe gebiet Südost Richtung Elfsen.

Holweg

 

 

Hohlweg am Kallenhardter Berg oberhalb der Möhne Salzpad oberhalb der Möhne
Ausschnitt aus der heutigen Karte 1 : 50 000 Bereich Soest bis Soestberg, vor Belecke

 

 

 

Übersichtskarte

 

 

 

 

Die vier Hauptstrecken des Hanseweges von Soest – Brilon, vom Soestberg auf der Haar bis Brilon in der Le Coq-Karte von 1805 Landwehr Glenne – Bieber (Bosinger Schlag) Hohlwege am Öhningsberg

 

 


Kontrolliert man diese Aussagen über den Streckenverlauf Soest – Brilon von Bruns / Weczerka mit alten Straßenkarten des Herzogtums West falen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, so stellt man fest, dass in diesen Karten eine alte Straße Soest – Brilon nicht eingezeichnet ist, jedoch die alte Handelsstraße Soest – Frankfurt, die von Soest über Elfsen und Brüllingsen zum Haarweg verlief, dann weiter über den Haarweg bis zum sogenannten Soestberg östlich von Taubeneiche. Vom Soestberg stieg diese Han delsstraße dann ins Möhnetal Richtung Belecke hinunter und verlief weiter über Suttrop, Nuttlar, Olsberg, Winterberg, Marburg nach Frank furt. Eine andere Führung dieser Handels straße Soest – Frankfurt verlief von Suttrop über Kallenhardt, Altenbüren nach Olsberg. Diese Streckenführung ist z. B. in der o. g. Karte von 1579 eingezeichnet. Bis zum Soest berg auf der Haar ist dieser Handelsweg ganz offensichtlich identisch mit dem Hanseweg Soest – Rüthen – Brilon. Dafür spricht auch die alte Bezeichnung „Rüder Warte“ an der Soester Landwehr bei Beusingsen und die alte Wegebezeichnung „Rüder Weg“ bzw. „Rüthener Pfad“ zwischen Soest und dem Haarweg bei Brüllingsen

Dass diese Handelsstraße für die Stadt Soest im Mittelalter eine besondere Bedeutung hatte, zeigt auch, dass bei dem Verlauf dieser Straße durch die Soester Land - wehr bei Beusingsen8 nicht nur ein Schlagbaum war, sondern ein steinerner Wartturm stand, die nach Rüthen genannte Rüder Warte. Warttürme waren im Mittelalter hauptsächlich an überregionalen Heer- und Handelsstraßen angelegt worden, um eine Überwachung der Ein- und Ausreisen den optimal durch führen zu können und nahende Feinde früh genug zu erkennen. Ein weiteres Anzeichen, welche Bedeutung die Stadt Soest dieser Handelsstraße beimaß, war, dass die Stadt in Brüllingsen in der dortigen Soester Ostlandwehr einen weiteren Schlagbaum unterhielt, um schon bei Verlassen des Haarweges in Richtung Soest die Einreisenden zu kontrollieren und damit diese Heer- und Handelsstraße zu sichern. Selbst als nach der Soester Fehde (1444 bis 1449) Brüllingsen zum feindlichen Ausland, dem kurkölnischen Herzogtum West falen, gehörte, behielt die Stadt Soest noch weiter diesen Schlagbaum in ihrer Obhut. Deshalb kam es mehrmals, so im Jahre 15069, zu Auseinandersetzungen zwischen Kurköln und Soest. Dass diese mittelalterliche Straße stark frequentiert wurde, zeigt ein Hohlwegbündel mit fast einem Dutzend Hohlwegen im Bereich der Querung der Wiemecke, einem Trockental der Haar, einer sogenannten Schledde (siehe Karte 1:50000 mit den eingezeichneten Hansewegen und Foto). Im Mittelalter bis zum Beginn des Kunststraßenbaus um 1800 waren selbst bedeutende Heer- und Handelsstraßen außerhalb der Städte Naturwege, also nicht befestigt. Bei Anstiegen bzw. Abstiegen bildeten sich durch die Fuhrwerke mit ihren eisenbewehrten Rädern Fahrspuren, die ausflossen und zu Hohlwegen wurden. Waren die Hohlwege zu tief und unpassierbar, wurde ein neuer Weg daneben eingefahren. So entstanden nach und nach ganze Hohlwegbündel. Aus dem Vorstehenden wurde deutlich, dass sowohl der mittelalterliche Handelsweg Soest – Frankfurt wie auch der Hanseweg Soest – Brilon bis zum Soestberg auf der Haar oberhalb von Mülheim/Belecke dieselbe Streckenführung hatten. Untersuchen wir an Hand von alten Wegebezeichnungen, alten Urkunden und vor allem mit Hilfe der so genannten Le Coq-Karte von 1805 und der preußischen Urmesstischblätter von 1839, wie wohl der mittelalterliche
Hanseweg vom Soestberg nach Brilon verlaufen ist, stellen wir sehr schnell fest, dass es vom Soestberg nach Brilon nicht nur eine Wegeführung gab, sondern mehrere. Im Wesentlichen kann von vier Hauptstreckenführungen gesprochen werden, die in der Le Coq-Karte von 1805 eingetragen sind. Alle vier Wegestrecken stimmen nicht überein mit der vorstehend von Bruns/ Weczerka genannten Hanse-Straßenführung von Rüthen nach Brilon, die durch das Möhnetal gelaufen sein soll. Dies zeigt, dass die an Hand von Urkunden (Itinerarien) entstandene Arbeit von Bruns/Weczerka nicht immer den tat sächlichen Verlauf der Hansestraßen darstellt. Das sumpfige Möhnetal zwischen Rüthen und Brilon war im Mittelalter völlig ungeeignet für Handelsstraßen. Es wurden in der Regel Höhenwege benutzt. Die wahrscheinlich älteste, aber auch längste Strecke ist die Wegeführung über den Haarweg, Römerlager, Kneblinghausen, Salzpad nach Brilon. Wegen der wenigen Berg- und Talfahrten auf dieser Strecke sind hier hauptsächlich Schwertransporte z. B. Salz und Metall erfolgt. Die Bleitransporte aus dem Briloner Raum zur in Soest ausgegrabenen Bleiverarbeitungssiedlung Ardey (ca. 50 nach Christus) könnten über diesen Weg verlaufen sein, sodass er vor 2000 Jahren schon benutzt worden ist. Auch der Höhenweg, der von Altenrüthen kommend die Möhne querte und dann über den Höhenrücken Bosinger Schlag, Öhningsberg, Hohe Warte nach Brilon führte, scheint ein früh- und hochmittelalterlicher Weg und damit schon sehr alter Handelsweg zu sein, der weit vor der Gründung der Städte Rüthen, Kallenhardt, Belecke bereits häufig benutzt wurde. Die dritte Wegestrecke durch das Glennetal ist wahrscheinlich eine hoch- und spätmittelalterliche Variante des vorgenannten Höhenweges und war durch die Talbenutzung nur für leichtere Transporte bei trockener Witterung geeignet. Das besondere an dieser Wegeführung ist, dass sie verbunden ist mit der Nennung des Namens Soestweg in der Urkunde von 130611. Wahrscheinlich ist dies mit die älteste urkundliche Erwähnung eines Soestweges in Westfalen. Die vierte Wegestrecke über Belecke, Suttrop, Kallenhardt nach Brilon ist offensichtlich ein typisch spätmittelalterlicher, frühneuzeitlicher Weg, der als kürzeste Verbindung Soest – Brilon neben dem örtlichen Lastverkehr hauptsächlich von Fußgängern, Reitern und Lasttieren benutzt wurde. Wie auch die Le Coq-Karte von 1805 zeigt, ist zwischen Rüthen und Brilon das Möhnetal wegen seiner sumpfigen Lage als mittelalterliche und frühneuzeitliche Verkehrsstraße nicht benutzt worden. Die heutige Möhnestraße gibt es erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.


Quellen:

1 Stephan Dusil, Die Soester Stadtrechtsfamilie, Forschungen zur Deutschen Rechtsgeschichte, 24. Band 2007
2 Herbert Krüger, Hessische Altstraßen des 16. und 17. Jahrhunderts, Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde, Heft 5, 1963
3 Hansequartier Soest, Hansische Stadtgeschichten des Westfälischen Hansebundes, Stadtarchiv Soest
4 Wilfried Reininghaus, Die Zehnten im Raum um Brilon, Westfälische Zeitschrift 153. Band/2003
5 Bleibergbau und Bleiverarbeitung während der römischen Kaiserzeit im rechtsrheinischen Barbaricum, Soester Beiträge zur Archäologie 8, 2007
6 Alfred Bruns, Festschrift zur 750-Jahr-Feier der Stadt Brilon, 1970
7 Bruns/Weczerka, Hansische Handelsstraßen, Text 1967, Atlas 1962
8 Hugo Schoppmann, Die Flurnamen des Kreises Soest, Soester Zeitschrift 52. und 53. Heft
9 Ludwig Eberhard Rademacher, Annales oder Jahrbücher der uralten und weitberühmten Stadt Soest, Stadtarchiv Soest
10aFranz Viegener, Die Waldmostgenossen schaften der Stadt Rüthen, Münster 1927
10bEberhard Henneböle, Die Landwehren Rüthens, Heimatblätter 1964 Beilage zum „Patriot“
10cCornelia Kneppe, Die Stadt Rüthen und ihr Umland, in 800 Jahren Stadt Rüthen, 2000
11 Westfälisches Urkundenbuch Kölnisches Westfalen Bd. 11,1 Nr. 527

 


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