Historisches Nr. 3 - Dreikönigslied

von Dietmar Lange

Ein hohes Kulturgut, das aus alter Zeit stammt und doch Neubelebungen in den vergangenen Jahrzehnten in unserer Pfarrgemeinde erfuhr, ist das „Sternsingen“ am Dreikönigstag, das hier noch in der plattdeutschen Mundart vorgetragen wird. In den vergangenen Jahren müssen immer wieder Kenner der heimischen Sprache mit den Jungen und Mädchen, die sich als Sternsinger in den Tagen um den 6.1. bereitstellen, den Liedtext üben, um eine fast ausgestorbene Sprache zu pflegen. Sein eigentlicher Ursprung liegt im Dunkeln, doch der Literat des Sauerlandes, Friedrich Wilhelm Grimme (1827-1887) berichtete bereits 1861 in seinem Buch „Schwänke und Gedichte in sauerländischer Mundart“ von dem im kurkölnischen Sauerland verbreiteten plattdeutschen Dreikönigslied „De hill´gen drei Künige met iärem Steern“. Dieses mit einigen regionalen Veränderungen versehene und ursprünglich achtstrophige Lied – in Knittelversen gedichtet – enthält eine launig-humorvolle Selbstdarstellung der „Drei Könige“, die dieses Lied in der Verkleidung mit goldenen Kronen und Stern vor den Haustüren sangen, um für sich Gaben zu sammeln. Dieses immer wieder als „alte Sitte“ bezeichnete Singen gehört damit in die Tradition der Heischegänge, bei denen Kinder und Jugendliche um Gaben sammeln, wie es beim „Lütke Fastnacht - Singen“ noch üblich ist. Wohl war das Dreikönigssingen auch eine Art sozialer Einrichtung, überlies man in früherer Zeit doch gern weniger gutsituierten Bürgern das Betteln um Spenden oder sonstige Gaben.
Immer wieder hat sich der ursprüngliche Text durch originelle regionale Einschübe verändert, doch entstammen auch große Teile des heutigen Kallenhardter Dreikönigslieds dem bei Friedrich Wilhelm Grimme überlieferten Text. Theodor Ernst berichtet, dass schon 1580 Schüler in Kallenhardt „allhier auf dem Hause“, also vor dem Rat der Stadt, das Dreikönigslied zum Besten gaben, wohl einer der ältesten Belege für das Sternsingen.

 

„Vui hilligen drei Küenige met uesem Stean,
vui sind op de Stöcke un seiket deän Härn.
Et schnigget, et schnacket, dat deut ues nix;
vui holt ues alle recht dapfer un fix
Ui leiwen Luie, bat kuike säo speu,
denn ährlick sin vui alle drei.
Niu well vui urse Namen bekennen,
dat jeder van uch sall Respekt vör ues häwen.
Irk, Käsperken, häwwe ken Pläksken witt,
diärn schoinen Jungfern gefall irk nit.
Un wann se miek bui Nacht bekuiket
Dann seih irk iut ärr´n Duiwelskuiken.
Irk Melchior, irk bin säo fuin,
gewasket, gekämmet, kenne Räose säo schoin.
Irk Balthasar, irk schlockere säo met
Well äok tamme hilligen Lanne met.
Dat hillige Land is näo säo wuit,
et gitt näo fake Awetuit.
Dat Geld, dat könn´ve vam Tiune nit briäken,
drum mött vui churre Luie anspreaken.
Ihr habt uns ein Geschenk gegeben,
drum sollt ihr auch in Frieden leben,
in Frieden leben zu aller Zeit,
von nun an bis in Ewigkeit !“

 

Übersetzung:
Wir heil´gen drei Könige mit unserm Stern,
wir sind auf den Stöcken (unterwegs) und suchen den Herrn.
Et schneit und „schnakket“ (Schneeregen), das tut uns nichts,
wir halten uns alle recht tapfer und fix (schnell).
Ihr lieben Leute, was guckt ihr so „speu“ (ungläubig) ?
Denn ehrlich sind wir alle drei.
Nun wollen wir unsere Namen bekennen,
dass jeder von Euch soll Respekt vor uns haben.
Ich, Kaspar habe kein Fleckchen weiß,
den schönen Jungfrauen gefalle ich nicht.
Und wenn sie mich bei Nacht anschauen,
dann sehe ich aus wie ein Teufelsküken.
Ich Melchior, ich bin so fein,
gewaschen, gekämmt, keine Rose so schön.
Ich Balthasar, ich „schlockere“ (schlendere) so mit,
will auch zum Heiligen Lande mit.
Das Heilige Land ist noch so weit,
das gibt noch oft Appetit.
Das Geld können wir vom Zaun nicht brechen (müssen wir uns verdienen),
darum müssen wir gute Menschen ansprechen.


Während sich die Liedstrophen wohl im Volksmund erhielten, war das Sternsingen bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs nicht  mehr üblich, ehe es mit dem traditionellen Text aus alter kurkölnischer Zeit auch hier in Kallenhardt wiederbelebt wurde. Das heutige von den Pfarrgemeinden veranstaltete Sternsingen, bei dem für weltweite soziale Projekte gesammelt wird, entspringt der Initiative des Päpstlichen Missionswerkes für Kinder und dem BDKJ, die seit 1958/59 die „Aktion Dreikönigssingen“ durchführen, und damit „Kindern helfen, dass sie leben können.“ 

Die Reihe „Historisches aus St. Clemens" will in unregelmäßiger Folge geschichtlich Wertvolles aus Pfarrkirche und Pfarrei St. Clemens Kallenhardt vorstellen.

Wer das Kallenhardter Dreikönigslied hören möchte, muss nur das "Start"-Dreieck anklicken. Die Jugendgruppe "FreiZeitTreff" hat das Lied in plattdeutscher Sprache "eingesungen".
Viel Spaß.


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